drama plus minus eyecandy

Wie schon so oft zäume ich das „Pferd“ von hinten auf, das Drama, welches ich zuletzt begann hat die Ehre zuerst seinen Abschluss zu finden.

Ich habe es wirklich gemocht, obgleich die Thematik etwas unbequem ist. Am Ende war alles gut. Wer Spoiler nicht mag, sollte hier vielleicht schon nicht mehr weiter lesen, denn ich steige etwas detaillierter in die Geschichte ein …

Manchmal kann eine Begegnung zwischen einem Mann und einer Frau Wunden aufreißen und manchmal kann sie solche schließen.

Bei ON THE WAY TO THE AIRPORT erleben wir beides, auch wenn Soo Ah und Do Woo die beste Medizin füreinander zu sein scheinen, so brechen sie durch ihre Beziehung dennoch alte Wunden ihrer Partner auf, sie selbst kommen auch nicht ganz ungeschoren davon.

Soo Ah hat mit Anfang 20 geheiratet und schon bald wurde Tochter Hyo Eun geboren. Soo Ah arbeitet als Flugbegleiterin, ihr Mann ist Pilot bei derselben Fluglinie. Sie sind seit ungefähr 13 Jahren verheiratet und in der ganzen Zeit haben es weder ihre beste Freundin und Kollegin Mi Jin noch ihr Mann Jin Suk geschafft Soo Ah über deren alten Beziehung aufzuklären.

So ist Soo Ahs Freundschaft mit Mi Jin bis zum heutigen Tag ungetrübt, während ihr Mann nach mehr als einem Jahrzehnt zwar berechenbar scheint, aber dennoch die Aura von „dein Mann, das unbekannte Wesen“ verströmt. Diesen Hauch des Mysteriösen nutzt er immer wieder gerne aus, bei jüngeren, naiven Flugbegleiterinnen, auf Langstreckenflügen mit Übernachtung sucht er sich die ein oder andere aus und verbringt mit ihr die Nacht. Nicht wie man vielleicht denken könnte, er nutzt die Situation nicht bis zum Letzten aus, er unterhält sich mit ihnen vorzugsweise bei einer Flasche Bier auf seinem Zimmer. Mi Jin ist diejenige, die seine „Eskapaden“ immer wieder beobachtet und nur selten eingreift. Denn oft genug scheint es, als wolle Jin Suk Mi Jin eifersüchtig machen, wobei seine Frau im Gegensatz dazu völlig tiefenentspannt scheint und ihrem Mann voll und ganz vertraut. Es scheint, dass ein solches Gespräch mit die Ursache für Soo Ahs und Jin Suks Hochzeit war, denn irgendjemand von der Crew muss sie bei der Firmenzentrale angeschwärzt haben und so blieb wohl nur Rausschmiss oder Hochzeit. Was wahrscheinlich am Endresultat nichts geändert hätte, denn Soo Ah hat Jin Suk geliebt, das steht fest. Jin Suk wiederum, je mehr man ihn kennenlernt, umso mehr beschleicht einem das Gefühl er hat irgendeinen „Defekt“. Das zeigt sich nicht nur im Umgang mit seiner Frau, eigentlich mit allen weiblichen Wesen in seinem persönlichen Umfeld.

Jin Suk’s Mutter zum Beispiel genießt den Umstand, dass ihr Mann nicht mehr unter den Lebenden weilt und sie ganz alleine über ihre Wohnung und ihre Zeit verfügen kann. Das lässt schon einmal tief blicken. Jetzt ist aber auch Soo Ahs Mutter gestorben und damit ein wichtiger Pfeiler in Familie Parks Alltag, denn während Jin Suk und Soo Ah in der Weltgeschichte umher flogen, blieb klein Hyo Eun bei ihrer Großmutter mütterlicherseits. Ihre Großmutter väterlicherseits denkt jedenfalls nicht im Traum daran an ihrer neu gewonnenen Freiheit etwas zu ändern. Jin Suk hat eine schnelle Lösung für das Problem man schickt das Kind einfach in eine internationale Schule aufs Internat. Aber Hyo Eun ist nicht ganz so begeistert von der Idee ganz weit weg von Mama und Papa zu sein. Also fällt der erste Plan für Neuseeland schon mal ins Wasser. Was ihren Vater aber nicht daran hindert eine etwas näher gelegene Lösung in Malaysia zu finden. Ein Platz in einer internationalen Schule ist schnell gefunden und eine Unterkunft bei einer Koreanerin, die dort lebt. Hyo Eun ist von der Aussicht mäßig begeistert, vor allem, weil ihr Vater die Familie vor vollendete Tatsachen stellt. Auch Soo Ah fühlt sich von Jin Suks Aktionen überrumpelt, dennoch begleitet sie ihre Tochter nach Malaysia. Hyo Eun wird sich das Zimmer mit einem anderen koreanischen Mädchen teilen – Eun Woo, genannt Annie.

Annie ist die Tochter von Kim Hye Won und Seo Do Woo, aber so einfach wie die Familienverhältnisse scheinen, sind sie gar nicht. Denn Hye Won und Do Woo sind noch gar nicht so lange verheiratet, Annie ist nicht Do Woos leibliche Tochter, dabei ist ihr Verhältnis um einiges herzlicher, als das von Mutter und Tochter. Do Woo ist nicht glücklich darüber, dass Annie alleine und weit weg von der Familie lebt, aber er kann nichts gegen Hye Wons Entscheidung tun. Kurz nach seinem letzten Besuch in Malaysia beschließt Annie zum Geburtstag von Do Woos Mutter nach Hause zu fliegen, aber alles kommt anders, als Hye Won ihr am Telefon sagt, sie solle bleiben wo sie ist …

Annie ist zu diesem Zeitpunkt schon am Flughafen, als sie tränenblind von Wut, Trauer und Enttäuschung aus dem Gebäude rennt. Sie rempelt Soo Ah an und verliert eine handgemachte Murmel ihrer Großmutter, die Soo Ah vom Boden aufhebt. Vor dem Gebäude läuft Annie geradewegs in ein Auto …

Es herrscht ein Chaos an Gefühlen und Entscheidungen. Do Woo möchte Annie Zuhause beerdigen, während Hye Won so tun möchte als hätte es sie nie gegeben. Sie gestaltet das Kinderzimmer innerhalb kürzester Zeit in eine Bibliothek um. Sie vernichtet alle Dinge, die Annie gehörten und verlangt von Do Woo dasselbe mit den restlichen Sachen in Malaysia zu machen. Aber dann entscheidet sich Do Woo anders, er bestattet Annies Asche auf einem koreanischen Friedhof in Seoul. Er behält ihre letzten Sachen als Andenken und später als er Annies altes Handy bekommt, findet er Aufnahmen darauf, die ihn rätseln lassen, ob er seine Frau überhaupt kennt …

Auch in Soo Ahs Familie spielt Annies Tod eine Rolle und nachdem Hyo Euns Herbergsmutter den wahren Grund von Annies Verschwinden verschweigt, missversteht Soo Ah die Absicht dahinter. Sie packt ihre Tochter und nimmt sie mit zurück nach Seoul. Kein Zweifel, dass weder Jin Suk noch dessen Mutter begeistert sind, die einzige Unterstützung erhält Soo Ah von ihrem Bruder Je Ah.

Auf einem ihrer Flüge nach Malaysia schaut Soo Ah noch einmal bei Hyo Euns alter Unterkunft vorbei um sich zu entschuldigen und wegen einiger Papiere. Am Telefon erfährt sie Unterstützung von Do Woo und im Gegenzug nimmt sie nimmt einige Dinge aus Annies Zimmer mit um sie deren Vater zu geben,  …

So dauert es eine ganze Weile bis Soo Ah und Do Woo sich gegenüberstehen. Aber ihre Treffen haben immer etwas Tröstliches an sich. Ihre Begegnungen werden immer wieder wunderbar begleitet von einer ruhigen Kameraführung und einer stimmigen Musikuntermalung. Besser kann man es sich nicht wünschen. Sie haben eine Menge gemeinsam, und das ist was so anziehend wirkt bei diesem Drama. Sie geben sich Raum, Respekt und Unterstützung. All das was sie von ihrem jeweiligen Ehepartner nicht bekommen, sich vielleicht gewünscht hatten, weil weder Jin Suk noch Hye Won dazu bereit sind sich zu öffnen, oder gar sich selbst ihre Fehler einzugestehen findet in beiden Ehen keine echten Gespräche mehr statt, nur noch ein Weitergeben von Informationen. Dieses Ignorieren der eigenen Bedürfnisse, sowie die Bedürfnisse ihrer Familienangehörigen ist es letztlich was einen dazu verleitet Do Woo und Soo Ah nicht zu verurteilen. Man spürt ihre Sehnsucht nach einem Menschen, der zu ihnen steht, wenn die Zeiten auch mal hart sind. Aber sowohl Jin Suk als auch Hye Won vergraben sich in ihre Arbeit und verschieben das Anstreben von Konflikten stetig, als hoffen sie darauf sie würden sich in Wohlgefallen auflösen und alles wäre wieder gut, wobei dieses gut sich weniger auf ihre Ehe, sondern vielmehr noch ihr persönliches Befinden meint.

 

So wie das Drama gestaltet ist hat man keinen Zweifel, dass irgendwann alles wieder gut wird. Aber alles gut, heißt in diesem Zusammenhang auch, alles anders. Nicht immer lohnt es sich an alten Mustern festzuhalten, dass ist jetzt nicht als Freibrief zu verstehen sich in eine Affäre zu stürzen, wenn die eigene Ehe nicht so läuft, wie man sich das vorstellt. Damit würde dieser Geschichte unrecht tun. Do Woo und Soo Ah wirken wie zwei alte Seelen, die sich nach langer, langer Zeit wieder begegnen. Ein angenehmes Paar, dass es nicht nötig hat mit ihren Ehepartnern Spielchen zu treiben und die immer offen und ehrlich mit sich und anderen bleiben möchten.

Für mich wider erwarten ein wohltuendes Drama, dessen Thema nicht unproblematisch ist, aber zum ersten Mal für mich ein koreanischen Drama, das auf zufriedenstellende Art produziert wurde und nicht unnötig mit hässlichen Intrigen aufgeplustert wird. Herz über Kopf, eindeutig.

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