drama plus minus eyecandy

Mit chinesischen Dramen ist das so eine Sache, ich weiß nicht wie es euch damit geht, aber ich komme da sehr oft an meine Grenzen. Dabei kann ich das mit kulturellen Unterschieden nicht wirklich begründen, schließlich habe ich schon ganz andere Produktionen gesehen, deren Bilder auch weit entfernt von westlichen Gebräuchen und Einflüssen erzählten. Der Stil? Vielleicht macht mir der tatsächlich manchmal zu schaffen, und hoffentlich will mich keiner für die Aussage „grillen“, aber da gibt es einiges aus den USA, das bei mir auf derselben Stufe steht.

BU BU JIN XIN ist da eine rühmliche Ausnahme. Man merkt jeden einzelnen Yuan, der in die Produktion geflossen ist. Und schon wieder was gelernt, denn ich war mir nicht sicher, ob Yuan die Bezeichnung der chinesischen Währung ist, tatsächlich heißt sie Renminbi. Genug der chinesischen Einführung an dieser Stelle …

Nach der Einstimmung durch ein sehnsuchtsvolles Duett, One Persistent Thought von Hu Ge und Alan Dawa Dolma, und einigen Szenen, die uns in der Serie erwarten, versuchen die Hauptfigur und ich an Orientierung zu gewinnen.

Zhang Xiao kommt zu sich in einer ihr fremden Umgebung. (Vergleichbar vielleicht, wenn man in Deutschland plötzlich auf einer Burg Barbarossas erwachen würde. Nur nicht von der Zeit her …) Auf alle Fälle passt nichts in ihrer Erinnerung mit diesem Ort überein, sie hält es für einen schlechten Scherz und sucht sogar nach versteckten Kameras. Ein Albtraum tut sich vor ihr auf, der nicht enden will. Sie resigniert und versucht zu akzeptieren, dass sie von jetzt an nicht mehr Zhang Xiao, 25 Jahre wohnhaft im Peking des 21. Jahrhunderts ist, sondern Maertai Ruo Xi, 16 Jahre wohnhaft am Hof des 8. Prinzen in der Verbotenen Stadt (Regentschaft Kangxis von 1661-1722. In Europa herrschten zu der Zeit viele Kriege, es gab den Barock, Johann Sebastian Bach lebte von 1685-1750, nur mal so zur groben Orientierung … )

Ich dachte oft, die Figur ist doch aus der heutigen Zeit, warum wird der Kontrast nicht öfter thematisiert, ich habe mich dazu durchgerungen die Geschichte auf mich wirken zu lassen und zu akzeptieren, dass Zhang Xiao einfach zu sehr damit beschäftigt ist, ihr Leben als Maertai Ruo Xi auf die Reihe zu bekommen und sie nichts aus der heutigen Zeit hat, das ihr in der Qing Dynastie von nutzen sein könnte, im Gegenteil, es ist immer wieder ein Stolperstein, wenn sie in „alte“ Muster verfällt, denn schließlich will sie überleben, vielleicht sogar zurück in ihr altes Leben.

Zu Ruo Xis Glück hat sie eine große Schwester, die ihr nach ihrem Sturz und dem damit verbunden „Gedächtnisverlust“ zur Seite steht.

Die „neue“ Ruo Xi sorgt für einiges Gelächter, ob ihrer Ungeschicklichkeit, und Kopfschütteln für ihr Unvermögen bzw. manche Dreistigkeit. Immer wieder versucht sie zu ergründen wie sie in dieses Zeitalter „gerutscht“ ist, die Theorie mit dem Wurmloch scheint ihr am Glaubhaftesten. Weshalb sie versucht sich vor ein galoppierendes Pferd zu werfen, um die „Aufprallenergie“ zu nutzen und vielleicht wieder in ihrer Zeit zu landen. Aber mit den Versuchen kommt das Einsetzen der Realität, dass das Prinzip Hoffnung hier keine Anwendung findet. Ruo Xi gibt sich den Gegebenheiten des Qing-Zeitalters geschlagen, was nicht heißt, dass sie die Möglichkeiten, die sich bieten ungenutzt verstreichen lässt.

Ruo Xi verkennt, dass die Herren der Schöpfung all zu gerne denken, dass weibliche Wesen grundsätzlich einen starken Mann an ihrer Seite brauchen. Das glauben nicht nur die Männer, die sich direkt für sie interessieren, sondern auch die, die ihr freundschaftlich verbunden sind. So ist sie zu Beginn schwer beeindruckt vom Charme des 8. Prinzen, der es sichtlich genießt, die kleine Schwester seiner (zweiten) Frau zu unterhalten. Das führt soweit, dass er erwägt auch sie zu heiraten, aber die Vorstellung gefällt Ruo Xi weniger, auch wenn sie sich in ihn verliebt. Es gibt kaum Freiheiten in dieser Gesellschaft in der sie lebt. Der Tag ist gefüllt mit Langeweile und Pflichterfüllung im Wechsel. Das Leben im Haus des 8. Prinzen wird auch nicht einfacher für sie, seine Erstfrau ist nicht nur eifersüchtig auf ihre Schwester, jetzt gibt es auch noch Ruo Xi mit der sie die Aufmerksamkeit ihres Mannes teilen muss.

Ob Ruo Xis Interesse am 4.Prinzen, darin begründet ist, weil sie die Geschichte kennt und weiß, dass er der nächste Kaiser wird? Sie bewundert ihn, er ist klug, zurückhaltend, bedacht und aufmerksam ihr gegenüber. Später wandeln sich ihre Gefühle in Liebe, aber es ist nicht ganz so einfach sich für diese Liebe zu entscheiden, auch er hat bereits mehrere Frauen.

Aber diese beiden sind nicht die einzigen der Brüder, die Sympathie und mehr für sie empfinden. Vor allem dem 10. Prinz sucht ihre Gegenwart, genauso wie der 13. und der 14..

Eines Tages ergibt sich für Ruo Xi die Chance dem „drohenden Hafen der Ehe“ zu entrinnen, die Auswahl der Jungfrauen. Junge, unverheiratete, dem Adel angehörende Mädchen, werden auserwählt in den Haushalt des Kaisers aufgenommen zu werden, entweder zu seinen „persönlichen Diensten“ oder als Mägde /Hofdamen.

Ruo Xi hat Glück, sie wird als Hofdame ausgewählt, das gibt ihr ein paar Jahre „Freiheit“ in den ihr gesteckten Grenzen, als persönliche Hofdame des Kaisers. Sie ist in der Hauptsache für die Teezeremonie verantwortlich und damit für alle kleinen Annehmlichkeiten des Kaiser. Eine Tätigkeit, die ihr zunehmend gefällt. Sie erwägt sogar den Gedanken diese Aufgabe für immer zu übernehmen, denn sie hat eine gewisse Unabhängigkeit durch das Gehalt, das ihr gezahlt wird und ein Freundin, die sie begleitet durch dick und dünn, Yu Tan. Sie erarbeitet sich das Wohlwollen hoher Beamter und des Kaisers, der überlegt, als ihre Dienstzeit dem Ende zugeht sie an sich zu binden, wenn auch nur bis ihn das Zeitliche segnet.

Der Kaiser mag der höchste Mann im Staat sein, er ist bekanntlich nicht der einzige der Familie, der sich für sie interessiert. Der 8. Prinz macht ihr weiterhin Avancen, sie versucht ihm zunehmend aus dem Weg zu gehen. Die Besuche des 4. Prinzen sind auch nicht misszuverstehen. Mit dem 13. und dem 14. Prinzen bleibt sie weiterhin freundschaftlich verbunden, den 10. sieht sie seit seiner Heirat kaum mehr.

Ruo Xi, überlegt, ob ihr das wenige Wissen, die reinen Fakten die sie aus der Zukunft über die politischen Entwicklungen  kennt von Nutzen sein können.

Ob es eine gute Idee ist oder nicht, sie warnt den 8. Prinzen davor sich in den Weg des 4. Prinzen zu stellen, sie weiß um die Ambitionen beider auf den Thron. Denn sie fürchtet, dass es am Ende zu einem Kampf unter den Brüdern kommen könnte.

Mehr und mehr wächst ihre Bewunderung und Liebe für den 4. Prinzen,  sein aufgeschlossenes Wesen, sein Gerechtigkeitssinn, seine Zuversicht und Entschlossenheit. Sie liebt ihn und manchmal fürchtet sie ihn auch, …

Oder ist es nur die Angst vor einer Zukunft, die sie nicht zu beeinflussen weiß?

Die Ausstattung des Dramas ist ein Traum und die Musik ergänzt sie auf’s Beste. Einzig ein paar graphische Lösungen im Szenenbild wirken etwas zu künstlich, dennoch das beste Historiendrama aus chinesischer Produktion, das ich je gesehen habe, das einzige, das ich je beendet habe. Wer den Mut hat, anschauen und sich nicht von den Frisuren der Männer irritieren lassen …

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