drama plus minus eyecandy

Ich habe dieses Drama genossen, wobei ich zugeben muss, dass es nicht unbedingt schadet etwas älter zu sein, denn schwarze Komödien sind glaube ich nicht unbedingt ein bevorzugtes Genre des jüngeren Publikums.

Selten habe ich ein so ausgefeiltes Drehbuch erlebt, gut umgesetzte Regie gesehen und die Darsteller waren einfach phänomenal, ein jeder für sich perfekt für seine Rolle.

Den Rest spar ich mir auf, sonst bleibt mir ja nichts mehr zu schreiben …

30 Folgen später, etwa 4 Monate, frage ich mich was ich von diesem Drama erwartet hatte? Und ich stelle fest, nichts Konkretes. Ich wusste nicht viel mehr, als das was unmittelbar in den ersten beiden Folgen geschieht. Spannend für mich war, dass ich so gut wie nie wusste, was die nächste Folge bringt, oder wie sie endet.

Schräg fand ich die Musikwahl, aber ich habe sie geliebt. Es ging mir da ähnlich wie bei dem Film Broken Flowers, aber ich glaube, das habe ich bereits vorher erwähnt. Zu den schrägen Tönen passen die schrägen Seiten der einzelnen Charaktere. Es sind diese Kleinigkeiten, die die Figuren auszeichnen, solche wie bei Seo Boom, als sie zugibt, dass sie nichts vergisst. Und, nein sie meint damit nicht ihr exzellentes Gedächtnis, dass sie gut zu nutzen versteht, viel mehr ihre Unfähigkeit Ungerechtigkeiten ihr gegenüber verzeihen zu können.

Seo Boom ist die weibliche Hauptfigur, noch nicht volljährig, dafür aber schwanger. Sie schweigt sich bewusst über den werdenden Vater aus, denkt sie doch, ihm geht es finanziell nicht wirklich besser als ihrer Familie. Sie lebt mit ihren Eltern, einer jüngeren Schwester und dem Bruder ihres Vaters unter einem Dach. Einem sehr betagten Dach und in der ein oder anderen Ecke des Hause kracht es hin und wieder. Aber dafür hält die Familie zusammen. Mit den finanziellen Einschränkungen arrangiert man sich, mit Seo Booms Schwangerschaft hat vor allem Papa Seo ein großes Problem, denn er hat seiner Tochter im Geiste schon eine große Karriere machen sehen. Das ist jetzt alles hinfällig, denn momentan „studiert“ sie Literatur über Kindererziehung und Säuglingspflege.

Das Seo Boom keinen Kontakt zum Vater ihres Kindes aufnimmt hat noch andere Gründe. Denn sie hat ihm 3 Briefe zukommen lassen, die natürlich nicht bei ihm ankamen …

Okay, sagen wir er hat sie mit etwas Verspätung bekommen und durch ein paar andere widrige Umstände ist es ihm nicht gleich gelungen Boom zu finden. Somit wären wir also bei Han In Sang, der zwar das Herz auf dem rechten Fleck hat, ansonsten aber ein rechter Hasenfuß ist, immer auf der Hut seinem intoleranten Vater alles recht zu machen. Han Jung Ho ist der Herr des Hauses und wer das nicht begreift, der wird es schon noch lernen früher oder später. Han Jung Ho und seine Frau Choi Yoon Hee sind ein eingespieltes Team, wenn auch ein recht lustloses, dessen einziger Zusammenhalt in Traditionen zu ruhen scheint und der verkrampfte Versuch, alles im Sinne der Ahnen weiter zu führen, Reichtum und Ruhm anzuhäufen.

In diese scheinbar heile Welt platzt Han Jin Young, ihr Enkel, ohne lange Ankündigung und zum ersten Mal müssen sie erleben, wie ihr geordnetes Leben aus den Fugen gerät. Jin Young kommt in ihrem Schlafzimmer zur Welt weshalb seine Großeltern erst einmal das Feld räumen müssen. Aber nicht lange, da beginnen die ersten taktischen Klimmzüge der Eltern von In Sang. Sie leben frei nach dem Motto „Tarnen, täuschen und verpissen die Stellung halten“. Und möchten das junge Glück am liebsten auseinander bringen, natürlich wissen sie zu kalkulieren und machen Booms Familie ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Aber der Schuss geht nach hinten los und In Sang geht mit Boom aufs Amt um ihre Ehe registrieren zu lassen, was legal, nur mit dem Einverständnis der Eltern möglich ist und glaube ich auch das erste Mal, dass beide Eltern aufeinander treffen. Han Jung Ho würde am liebsten seine Zustimmung verweigern, aber um sein Gesicht zu wahren macht er gute Miene zum bösen Spiel.

Als das junge Paar ihr Glück zu dritt genießen wollen, wissen auch hier die Eltern Han Abhilfe zu leisten, es wird eine Nanny eingestellt wie sich das gehört. Beide Boom und In Sang werden schließlich von einem Privatlehrer auf die Aufnahmeprüfung an der Uni vorbereitet. Während selbst die Han Eltern sich dem Charme eines Babys nicht verweigern können, bleibt für die Seo Eltern nur die Versorgung von Boom mit Bildern, die sie über ihr Handy schickt.

Es zeigt sich immer mehr, dass die altkonservative Art von Han Jung Ho und das aufgeschlossen demokratische Denken der jungen Leute auf Dauer nicht gutgehen kann. Papa Han sieht sich mehr und mehr in der Kritik, verteidigt jedoch seinen Lebensstil und weicht keinen Millimeter davon ab, bis Boom schließlich die Chance nutzt und aus dem Haushalt türmt. In Sang ist hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Liebe. Schließlich ist da ein großes Erbe, das auf ihn wartet. Dieses Erbe jedoch ist durchaus aus krummen Geschäften geflossen und eigentlich will er damit nichts zu tun haben. Auch, wie seine Eltern Untergebene behandeln und benutzen ist ihm zuwider.

Fazit:

Es ist unmöglich die gesamte Story in weniger als tausend Worten anzureißen. Deshalb belasse ich es hiermit, denn wer das Drama noch nicht gesehen hat und es irgendwann probieren möchte, will vielleicht auch noch die ein oder andere Überraschung sehen. Ich fand das Drama wunderschön, denn es führt die Menschen und ihre Sehnsüchte vor, welchen sie nachgeben und welche sie sich versagen, und aus welchen Gründen. Das Erwachsenwerden von In Sang und Boom, die sich selbst in der Elternrolle finden müssen und wollen, war sehr schön porträtiert. Jetzt könnte ich noch auf In Sangs oder auch Booms Schwester eingehen, oder In Sangs „Freunde“, die aufzeigen es bricht eine neue Zeit an in Korea. Die alte Klüngelwirtschaft ist nicht länger gewünscht, die Jugend möchte durch ihre Leistungen vorankommen und auch ihr Land voranbringen, ohne dass man jede Hand auf dem Weg schmieren muss. Sie entscheiden sich aktiv für eine andere Zukunft, während In Sangs Vater nicht aus seiner Haut kann. Selbst die Dienerschaft erhebt sich aus ihrem jahrelangen stillen Dasein (übrigens tolle Hausangestellte, die wünschte ich mir auch).

Das Ende ist nicht ganz so überraschend, damit meine ich das Schicksal der einzelnen Figuren, sondern wie es meisterlich in Szene gesetzt wurde.

(Es erinnerte mich fast ein bisschen an HEIRS von wegen dem Gewicht und der Krone, aber das war es dann auch schon. Nicht missverstehen! Vergleichbar sind die Dramen weniger auch wenn sie vom Thema gar nicht so weit auseinander sind.)

Übrigens hat das Drama den Baeksang Preis 2015 erhalten, nur so am Rande …

Sollte das Team von Regie und Drehbuch an etwas Neuem arbeiten, werde ich es mit Sicherheit wieder ausprobieren. Besonders zu erwähnen am Schluss jeder Folge wird das letzte Bild eingefroren und der Spot auf die einzelnen Gesichtsausdrücke gelenkt, einfach köstlich!

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Schlagwörter-Wolke

%d Bloggern gefällt das: